Kiez der Piraten?

Spione sind in unserem Kiez ja nun schon einige Zeit zuhause, nun sind auch Piraten dazugekommen: Anfang September hat die Bundesgeschäftsstelle der Piratenpartei ihre neuen Räume in der Pflugstraße bezogen. Wie es sich gehört, haben wir ihnen einen Willkommensbesuch abgestattet.

Noch sieht alles etwas provisorisch aus: Die sechs jungen Männer sitzen an einfachen Holztischen, vor sich das offensichtlich selbst mitgebrachte Netbook. Das Laminat auf dem Boden glänzt noch ganz frisch, einige wenige Plakate hängen herum, sonst sind die Wände spurenlos weiß; eine Pflanze oder eine Schreibtischlampe sucht man vergebens. Aber der Bundestagswahlkampf läuft ja auch auf Hochtouren, da bleibt für solche Details kaum Zeit. Denn neben der Bundesgeschäftsstelle beherbergt das Ladenlokal im Erdgeschoß auch die Wahlkampfzentrale der Piraten.

Von hier aus steuern die sechs jungen Männer, allesamt ehrenamtliche Wahlkampfhelfer, die Aktionen und Veranstaltungen im ganzen Land – natürlich vor allem online. Und die Arbeit wird täglich mehr, denn die Piraten sind so etwas wie die Partei der Stunde: Die Mitgliedszahlen schießen förmlich in die Höhe, die Medien stürzen sich im langweiligsten Wahlkampf aller Zeiten auf die Newcomer, hunderte meist junger Menschen entscheiden sich plötzlich für politisches Engagement.

In der neuen Bundesgeschäftsstelle ist die Situation nicht viel anders: Auch hier sind einige erst seit sechs Wochen dabei. Jetzt, in den Semesterferien, helfen sie freiwillig beim Bundestags-Wahlkampf – und beim Umzug. Denn irgendwann wurden die alten Räume in Friedrichshain einfach zu klein. Und auch wenn ein Umzug der Geschäftsstelle mitten im Wahlkampf eigentlich ein Wahnsinn ist: Eine neue Piratenbasis musste her.

Die einzige Bedingung dafür war: Es muss günstig sein. Schließlich wird die Miete ausschließlich aus Spenden finanziert, Geld aus der staatlichen Parteienförderung gibt es (noch) nicht. Dass die neue Parteizentrale jetzt in Mitte liegt, ist daher eher dem Zufall zuzuschreiben. „Das Angebot der Immobilienfirma war einfach gut“, sagt Martin Delius, einer der Aktivisten. Seit vier Monaten ist er Pirat und damit schon so etwas wie ein Veteran.

Seit vergangenem Donnerstag, dem 3. September, residieren die Piraten jetzt in der Pflugstraße. Wie es in den vier Zimmern beim Einzug ausgesehen hat, haben sie hier in einem Video festgehalten:

Eine Woche später spielt sich so langsam alles ein: Der Konferenztisch steht, der Nachschub an „Club Mate“ wird gerade angeliefert und für morgen hat sich das ZDF zu einem ersten Hausbesuch angekündigt. Nur die Telefonanlage macht noch Ärger: Zwei Leitungen sind zu wenig, so dass der Umzug der dreiköpfigen Pressestelle in die Pflugstraße zunächst verschoben ist. Und dass es der Telekom trotz neuester Glasfaser-Leitungen nicht möglich ist, VDSL mit 16 MBit anzubieten, ruft bei Martin Delius und seinen Kollegen nur Kopfschütteln hervor.

Ansonsten aber scheinen sie sich schon zu Hause zu fühlen. So seien sie von den anderen Hausbewohnern freundlich bis euphorisch empfangen worden, erzählen die Piraten. Einer habe sogar eine orange Piratenpartei-Flagge aus dem Fenster hängen wollen. Andere Anwohner des Kiezes hätten dagegen weniger freundlich reagiert: So habe ein Passant im Vorbeigehen vernehmlich von der „Kinderschänderpartei“ in sein Telefon gesprochen; ein anderer kam herein, pöbelte und verschwand wieder.

Vielleicht auch, um solche Begegnungen in Zukunft zu vermeiden, schreibt einer der studentischen Wahlkampfhelfer gerade einen Brief an die Anwohner. Die Piraten wollen sich der Nachbarschaft vorstellen. Martin Delius wirft einen Blick darauf und wünscht sich den Text etwas persönlicher und informeller. Ob das geglückt ist, werden wir ja sehen, wenn wir den Brief in den nächsten Tagen in unseren Briefkästen finden.

Bis dahin, auf gute Nachbarschaft und herzlich willkommen im: Kiez der Spione!

P.S. Auf Wunsch der Piraten sei noch auf diese kostenlose Begrüßungsparty in der Maria am Ostbahnhof hingewiesen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kiezbewohner, Veranstaltungstipp abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Kiez der Piraten?

  1. rka schreibt:

    Hey,
    danke für den netten Willkommensgruß!
    Gruß,
    Andreas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s