Bernauer Straße bietet ein trostloses Bild

Die Bernauer Straße verlief früher zwischen Ost von West, teilt heute den Wedding von Prenzlauer Berg. Wurden damals Nachbarchschaften, Freundschaften und eine Gemeinde auseinandergerissen, trennt eine unsichtbare Mauer heute die sich fremd Gebliebenen auf beiden Seiten.

Die Gedenkstätte Bernauer Straße klärt seit 1999 in einer Dauerausstellung über das Geschehen an der Bernauer Straße als „Brennpunkt deutscher Nachkriegsgeschichte“ auf und informiert darüber hinaus über die Geschichte der Berliner Mauer. Sie befindet sich im Haus der „Versöhnungsgemeinde“.  Die „Kapelle der Versöhnung“ steht für die alte Kirche, die seit 1961 unerreichbar für die Gemeinde im Todesstreifen lag. Am 10. Feburar um 19.30 Uhr zeigt die Gedenkstätte den Film „Als uns die Haustür zugenagelt wurde“ (1981). Der Regisseur Hans Dieter Grabe hat hierfür ehemalige Bewohner der vermauerten Grenzhäuser interviewt und zeigt, dass die Bernauer Straße auch noch im Jahr 1980, zwanzig Jahre nach dem Mauerbau, ein trostloses Bild bot. Und vielleicht wird die Diskussion nach dem Film auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre und die heutigen Bewohner der Straße eingehen.

Bis 2006 wurden auf der Straße die Bäume gefällt, das Kopfsteinpflaster durch Asphalt ersetzt, Fahrradwege und Straßenbahnschienen angelegt. Im gleichen Jahr noch beschloss der Berliner Senat eine Erweiterung der Gedenkstätte, an der zur Zeit noch gearbeitet wird. Am Nordbahnhof wurde ein Park angelegt, die Deutsche Bahn baut neue Verwaltungsgebäude, es gibt neuerdings einen „DB-Serviceshop“, Geschäftsstraßen, öffentliche Toiletten und ein Tourismus-Shop sind in Planung.

Das Konzept der Gedenkstätte sieht zudem noch vor, dass authentische Reste der Grenzanlage gesichert werden. Darüber hinaus werden kommentierende Tafeln im neuen Nordbahnhof-Park, eine Ausstellung im Nordbahnhof und eine weitere Aussichtsplattform installiert. Werktäglich werden Andachten stattfinden, es sollen Freilichtausstellungen organisiert werden etc., ein neues Info-Portal wurde bereits eröffnet.

Alljährlich soll zudem der „Wedding Dress“ die Straße attraktiver machen, junge Berliner Modemacher haben sich dort niedergelassen. Sie klagen über mangelnde Kundschaft und eine fehlende Anbindung, hoffen damit aber, dass weitere Geschäfte entstehen und die Straße zum Mode-Treffpunkt avanciert. Von ihrem Schreibtisch aus beobachten sie den Bau neuer Townhouses und Luxus-Lofts, schimpfen auf die Gentrifizierung und wünschen sich „alternatives Publikum“. Im Moment ist eher eine bunte Mischung zu erwarten: Weddinger Familien auf der einen Seite, die unabhängigen Zugezogenen auf der anderen. Mittendrin umherirrende Touristen und vom Mauerpark kommende Flohmarktbesucher aus allen Nationen. Nur mischen will sich das Ganze nicht (nachzulesen in: „Der soziale Äquator als neue Grenze„).

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