Dreharbeiten im Kiez

Die Mauer steht wieder! Das ist der erste skurrile Gedanke, wenn man derzeit am ehemaligen Grenzübergang Chausseestraße entlang kommt. Hinter der Tankstelle, da wo letzte Woche noch Wiese war, stehen auf einmal wieder die wohlbekannten grauen Betonelemente, die in dieser Stadt doch eigentlich nur noch der Touristenbelustigung dienen. Ein Kunstprojekt? Oder doch politische Realität?

Dreharbeiten zu "Russendisko"Der Kamerakran, die Scheinwerfer, die zahllosen Wohn- und Cateringwagen und die vielen Menschen lösen einige Tage später das Rätsel schnell auf: Hier wird ein Film gedreht! Die Mauer ist zwar zum Teil echt (man kann die Elemente offensichtlich mieten), an den Enden aber mit Sperrholz-Elementen und einer Green Screen optisch verlängert. Schnell das Bauwerk (auf „Westseite“) noch ein bisschen besprayt, und fertig ist das Filmset. Und auch der Rest der Szenerie ist von den Location-Scouts clever durchdacht: Denn die grauen Rückfronten der Häuser von Chausseestraße 57 und Wöhlertstraße eignen sich perfekt als Hintergrund für den „Osten“ – und historisch korrekt ist das Ganze auch noch! Doch was wird hier gedreht?

Der Lösung des Rätsels kommt näher, wer den Blick ein wenig nach links schweifen lässt. Im hohen Gras sitzt ein Mann auf einem Regiestuhl und plaudert in eine Kamera. Es ist Autor Wladimir Kaminer, der gerade für das Making-Of interviewt wird. Denn verfilmt wird hier sein erster und größter Bucherfolg „Russendisko„. Das Buch hat sich bisher über eine Million Mal verkauft.

Das Set besteht neben der Mauer mit Durchbruch aus einem Stand mit Militaria. An einem der ersten Löcher in der Mauer verhökert ein russischer Ex-Soldat die Überreste der glorreichen Roten Armee. Angeblich soll die Szene im fertigen Film keine drei Minuten füllen. Dafür ist es schon ein irrer Aufwand, der hier zwei Tage lang getrieben wird.

Gedreht wird seit Mitte März, Drehschluss sollte Mitte Mai sein; die Szenen an der Chausseestraße könnten also zu den letzten gehören. Nach dem Rauswurf von Regisseur Oliver Schmitz am Beginn des Produktion führt jetzt Oliver Ziegenbalg Regie, der eigentlich Drehbuchautor ist und noch nie als Regisseur gearbeitet hat. Hauptdarsteller ist Matthias Schweighöfer (war am Mittwoch am Set nicht zu sehen), der aber ohne russischen Akzent auskommt. Der Film soll im Frühjahr 2012 in die Kinos kommen.

Ergänzung 20 Uhr:

Heute war die Kunst-Mauer schon wieder verlassen. Stattdessen wurde wohl in den – von uns zuletzt vielbeschriebenen – Hinterhäusern der Chausseestraße 57. Die stehen ab jetzt übrigens jedem zum Entdecken offen. Wie uns der Verwalter des Grundstücks Denis Madden sagte, werden die Hinterhöfe ab jetzt von den Handwerksfirmen von der BND-Baustelle als Parkplätze genutzt. Die Garagen im letzten Hof können ebenfalls gemietet werden – zum Beispiel von Bewohnern der Pflug- und Wöhlertstraße. Wer Interesse hat, melde sich; wir stellen gerne den Kontakt her.

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2 Antworten zu Dreharbeiten im Kiez

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