Die Wendeschleife der Tram: Der Anfang vom Ende

Mittlerweile ist es nicht mehr zu übersehen: Die Bauarbeiten für die neue Streckenführung der Tram haben begonnen. Überall im Kiez wurden Hilfsampeln aufgestellt, gelbe Fahrbahnmarkierungen aufgeklebt und die Verkehrsführung geändert. Die Invalidenstraße wird bereits aufgerissen und ist nur noch in eine Richtung befahrbar. Die unmittelbaren Auswirkungen davon bieten einen Vorgeschmack auf die kommenden Monate: Schon jetzt Dauerstau auf der Chausseestraße und deutlich mehr Verkehr auf der ansonsten ruhigen Habersathstraße sowie dem Schwarzen Weg.

Nach Abschluss der Bauarbeiten sollen die Tramlinien M6 und M8 dann nicht mehr zum U-Bahnhof Schwartzkopffstraße fahren, sondern die Anbindung des Hauptbahnhofs verbessern. Das bedeutet auch, dass die bisherige Wendeschleife der Tram über Schwartzkopff-, Pflug- und Wöhlertstraße dann nicht mehr gebraucht wird. Für die Anwohner sicherlich Fluch und Segen zugleich: Es wird spürbar leiser im Kiez, dafür ist die Verkehrsanbindung nicht mehr so komfortabel.

Der Tag, an dem die letzte Tram die Wendeschleife benutzt, scheint im übrigen früher zu kommen als erwartet: Schon mit Beginn der Bauarbeiten wird die M8 am Nordbahnhof enden. Das heißt: „Im Laufe des Monats Juli wird die M8 damit voraussichtlich das letzte Mal die Schleife Schwartzkopffstr.-Pflugstr. im Linienbetrieb durchfahren.“ Die M6 wird erstmal weiterhin hier wenden und warten, bis die Bauarbeiten weiter vorankommen.

Wenn alles fertig ist, werden M6, M8 und auch die M10 – die bisher am Nordbahnhof endet – bis zum Hauptbahnhof fahren. An der Kreuzung Chaussee-/Invalidenstraße, da wo heute die Bushaltestelle ist, wird bis dann die Tram-Haltestelle „Naturkundemuseum“ entstehen. Die „Blockschleife“ an der Schwartzkopff-, Pflug- und Wöhlertstraße wird nicht erhalten, auch nicht für den Fall von Umleitungen weges Demos etc.

Wie in diesem Forum beschrieben, wurde die Wendeschleife Schwartzkopff-, Pflug- und Wöhlertstraße 1951 eröffnet. Damals gab es auf diesem Abschnitt wegen des neu eröffneten Walter-Ulbricht-Stadions (später Stadion der Weltjugend) deutlich mehr Verkehr als heute: Zeitweise fuhren vier Tram-Linien hierher. Nach dem Fall der Mauer wurden die Geisterbahnhöfe der U-Bahn reaktiviert, 1992 wurde das Stadion geschlossen. Damit „entfiel die verkehrliche Notwendigkeit für die Blockschleife, seitdem werden nur noch die nötigsten Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Für einen dauerhaften Erhalt müsste die Strecke grundsaniert und die Haltestellen barrierefrei ausgebaut werden. Außerdem sind die Anwohner mehrheitlich gegen die Straßenbahn in ihrer Wohnstraße. Die Beschwerden wegen des Lärms waren schon zu BVB-Zeiten massiv. Heute blockiert die fast durchgehend zweigleisige Endstellenanlage zig Parkplätze für die Anwohner und erzwingt eine Einbahnstraßenregelung.“ Treffender hätten wir es nicht ausdrücken können…

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2 Antworten zu Die Wendeschleife der Tram: Der Anfang vom Ende

  1. Kurt Eggert schreibt:

    Es wäre überhaupt kein Problem, wenigstens eine Linie im 20min-Takt weiterhin zur Schleife Schwartzkopffstraße fahren zu lassen. Aber es ist einfach nicht gewollt! Auch drei oder vier Straßenbahnlinien, die zum Lehrter Bahnhof fahren, werden nicht die Ödnis der lieblos gestalteten Vorplätze verbessern. Verkehrsstaus in der Chaussee- und Invalidenstraße gibt es schon lange, es gab sie schon vor der Wende. Ampeln, die den Autofahrer zwingen, auf Haltestellen Rücksicht zu nehmen, Haltestellen hinter statt vor den Kreuzungen und Gleise am rechten Fahrbahnrand haben die Stauanfälligkeit in den letzten fünfzehn Jahren noch gefördert. Die Anwohnerbeschwerden zu „BVB“-Zeiten waren nicht gegen die Straßenbahn, sondern gegen holprige Gleise und die damals neuen, viel lauteren und schwereren Tatrabahnen gerichtet. Die Egoisten unter den Anwohnern, denen Schulkinder und ältere gehbehinderte Nachbarn egal sind, werden sich umgucken, wenn sie eines Tages nach einem Unfall oder in vorgerücktem Alter zum U-Bahneingang mit Aufzug krauchen und am Bhf. Friedrichstraße, um zur S-Bahn zu gelangen, einen Slalom absolvieren müssen. Ja, man kann die heutige Situation als komfortabel bezeichnen, aber die direkte Anbindung an die Einkaufsmöglichkeiten in der weiteren Umgebung bis hin zum Alex gibt es nicht erst seit 1951, sondern (in der Chausseestraße) seit hundert Jahren. Die Schleife wurde nach der Trennung des Ost- und Westnetzes der BVG angelegt, um den hinderlichen Rangierbetrieb der Straßenbahn vor dem Sektorenübergang Chausseestaße zu beseitigen. Die Straßenbahn soll also verschwinden, aber die Parkplatzsituation wird sich trotzdem nicht verbessern, so wie die vielen Stellplätze in der Caroline-Michaelis-Straße auch keine Entlastung gebracht haben. Wenn man in einigen Jahren einsieht, dass die Straßenbahn mit ihren unbestreitbaren Vorzügen die Probleme am „Hauptbahnhof“ (Mehdorn) nicht gelöst hat, wird sie vielleicht als Verbindung über die Müller- Pank- und Wollankstraße nach Pankow zurückkommen…

  2. ÖPNV-Nutzer schreibt:

    Dann kommt man aus unserem Kitz wirklich überhaupt nicht mehr in Richtung Osten. Was jetzt schon nur zu bestimmten Uhrzeiten im 20 Minutentakt möglich ist ,wird dann eingestellt.
    Wie man es begrüssen kann, dass innerhalb eines Bezirks (Mitte) die ÖPNV Verbindung dermaßen sich verschlechtert, ist mir als Anwohner ein Rätsel.
    Will man jetzt, als Mobilitätseingeschränkter Mitbürger, vom Ubahnhof Schwarzkopfstr. bis zum Rosa-Luxemburg – Platz gelangen, dauert dies sage und schreibe 30 Minuten für knappe 3 km. Demnächst wird auch die Ubahn Variante (U6 und U2) in Richtung Osten wegfallen.
    Was bleibt dann noch, wenn auch die Tram nicht mehr fährt?

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